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Vorbericht: Von Träumen und der Mission Impossible

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59 Minuten und 44 Sekunden sind absolviert in der Krefelder Glockenspitzhalle – Auszeit HSG Krefeld Niederrhein. Trainer Mark Schmetz bleiben noch 16 Sekunden, um die erste Saison-Niederlage des Spitzenreiters der Staffel Süd-West gegen den krassen Außenseiter aus der Pfalz abzuwenden. Gerade eben hat sich Roy James mit all seiner Power gegen zwei Abwehrspieler durchgesetzt und Sven Bartmann im Tor der Hausherren zum 27:28 überwunden. Die rund 1.000 Zuschauer sind verstummt und reiben sich verwundert die Augen, nur die mitgereisten HLZ-Fans feiern den bravourösen Auftritt ihrer Jungs. Der Eagles-Coach geht All-In und setzt auf den siebten Feldspieler. Die Schiedsrichter Mark Moch und Stefan Hermschröder geben die Partie frei, Auftakthandlung der Eagles, der Ball wandert auf Halbrechts, noch 5 Sekunden, Robert Krass schraubt sich in die Höhe und zimmert die Kugel ans Lattenkreuz, der Abpraller landet in den Händen von Kreisläufer Niklas Ingenpass, noch zwei Sekunden, Moritz Wolfram im Tor des HLZ stürzt aus seinem Kasten und entschärft mit seiner 16. Parade den letzten Abschluss der hochdramatischen Partie. Unser Keeper verschwindet unter der Jubel-Traube seiner Mannschaft, kurz darauf Abklatschen mit dem Gegner und der Dank an die etwa 50 mitgereisten Fans, die das Wunder kaum glauben können. Und auf dem Höhepunkt der Euphorie – klingelt der Wecker…

Es gibt wohl kein unrealistischeres Szenario, als vor der Auswärtspartie bei Ligaprimus HSG Krefeld Niederrhein von einem Punktgewinn oder gar einem Sieg zu träumen. Selten sind die Rollen klarer verteilt. Die Eagles stehen mit 41:1 Punkten an der Tabellenspitze und stellen mit 750:545 Toren sowohl den besten Angriff als auch die stärkste Defensive der Liga. Damit sind sie über alle Staffeln hinweg das einzige ungeschlagene Team der dritten Liga. Das HLZ dagegen belegt mit 13:29 Punkten und 563:632 Toren den 11. Tabellenplatz und befindet sich mitten im Kampf um den Klassenerhalt. Spielmacher Jörn Persson ist mit 133 Toren aus dem Spiel heraus der gefährlichste Angreifer unserer Staffel. Ein Wert, den unsere beiden besten Torschützen Lennart Cotic (62 Tore aus dem Feld) und Niclas Josten (53 Treffer ohne Siebenmeter) zusammen nicht erreichen. Insgesamt acht Spieler haben für die Eagles bereits über 50 Tore erzielt, auf Seiten des HLZ gesellt sich lediglich noch Moritz Schulz mit 54 erfolgreichen Abschlüssen zu den beiden Erstgenannten. Und während unser Coach Gabriel Schmiedt neben den Langzeitverletzten zusätzlich noch auf die Leistungsträger Loris Piccoli, Lennart Cotic und Torhüter Roko Peribonio verzichten muss, verstärkt sich die HSG unter der Woche noch mit Rückraumspieler Julius Rose vom Zweitligisten TUSEM Essen. Auch die bisherigen Spiele gegeneinander geben wenig Anlass zur Hoffnung auf eine Überraschung: In der letzten Saison folgte auf die 34:28-Auswärtsniederlage zum Rundenabschluss ein 25:36 aus Sicht des HLZ Friesenheim-Hochdorf. Auch das Hinspiel konnten die Eagles klar für sich entscheiden – mit 25:31 setzte sich der Favorit unspektakulär, aber überlegen und kontrolliert durch.

In Krefeld ist alles auf die Mission zweite Liga ausgerichtet, angefangen mit der Infrastruktur, dem Zuschauerzuspruch mit regelmäßig über 1.000 Besuchern in der Glockenspitzhalle und natürlich dem Kader sowie dem Team hinter dem Team. Der Ausgangssituation vor dem Spiel gegen unser HLZ ist man sich von daher auch bewusst: “Wir wollen ein gutes Heimspiel machen und uns immer weiterentwickeln. Dabei gehen wir als klarer Favorit in dieses Spiel und das wollen und müssen wir auch auf die Platte bringen. Dafür arbeiten die Jungs unter der Woche akribisch”, lässt sich Chef-Trainer Mark Schmetz im Vorbericht der Eagles zitieren.

Von daher bleibt dem HLZ nur, sich mit einer guten Leistung Selbstvertrauen für die kommenden, enorm wichtigen Aufgaben zu holen. Dabei zählen Wille, Glaube an die eigene Stärke, Einsatzbereitschaft, Kampfgeist und auch Hoffnung – alles Attribute, die unabdingbar sind für außergewöhnliche Ereignisse. Und allem Realismus zum Trotz – ab und an hat der Sport schon die größten Sensationen hervorgebracht und Träume gingen dann letztlich doch in Erfüllung.

Das Spiel steigt am Samstag um 19 Uhr in der Krefelder Glockenspitzhalle. Für alle, die lieber zu Hause auf dem Sofa träumen, überträgt Sportdeutschland.TV live.

Text: Holger Friedmann

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