„So eine zweite Halbzeit mit gerade einmal fünf Toren habe ich von meiner Mannschaft noch nicht gesehen!“ Unser Coach Gabriel Schmiedt war nach der Niederlage gegen den Tabellen-Siebten aus dem Leverkusener Stadtteil Opladen sichtlich niedergeschlagen. Zuvor hatte sein Team eine leidenschaftliche erste Halbzeit hingelegt, dann aber nach gutem Start in den zweiten Spielabschnitt den Faden und das Tempo im Angriffsspiel verloren und die zwischenzeitliche 18:16-Führung aus der Hand gegeben. Den 20:26-Endstand machte Gäste-Trainer Stefan Scharfenberg an der stabilen Abwehr ab der 40. Minute und dem Spieler des Spiels fest: „Moritz Wiese (10 Paraden in 30 Minuten) hat uns in der zweiten Halbzeit sehr geholfen und das Spiel für uns entschieden!“
Das HLZ ging neben den zahlreichen Langzeitverletzten auch ohne Lennart Cotic und Loris Piccoli in die Partie, wobei aber auch auf der Gegenseite wichtige Leistungsträger fehlten. Unter anderem mussten die Opladener auf ihren Topscorer Oliver Dasburg verzichten, konnten sich aber über die Rückkehr ihrer beiden Spielmacher Malte Wolfram und Birger Dittmer freuen, die erheblichen Einfluss auf das Angriffsspiel haben sollten. Den ersten Treffer setzte Niclas Josten für das HLZ mit einem gut vorbereiteten Durchbruch auf Halbrechts. In der Defensive fehlte zunächst der Zugriff, Rückraum-Shooter Maximilian Schmidt wusste die Passivität unserer Abwehr zu nutzen und brachte die Gäste nach fünf Minuten mit 2:3 in Führung. Dem 3:3 durch Marcel Reis folgte ein Privat-Duell zwischen Niclas Josten, der seine Farben in Führung brachte, und Maximilian Schmidt, der postwendend ausglich (5:5, 9. Minute). Kreisläufer Maxim Swiedelsky sorgte mit einem Doppelschlag für die erste 2-Tore-Führung der Partie, die Jan-Philipp Winkler konterte. Zunächst setzte unser Spielmacher Simon Schwarz am Kreis mit einem Pass durch die Beine des gegnerischen Abwehrspielers schön in Szene, anschließend verkürzte er selbst zum 7:8. Frederik Zepp glich kurz darauf die Partie wieder aus, sowohl zum 8:8 als auch zum 9:9 in der 17. Minute. Im Tor des HLZ löste Roko Peribonio Nachwuchs-Keeper Moritz Wolfram ab, der erstmals in der Anfangsformation stand und zwei Paraden zum ausgeglichenen Spiel beisteuern konnte. Die Gäste legten weiterhin vor und beim Stand von 9:11 war es erneut Niclas Josten, der zweimal traf und zum 11:11 per Siebenmeter ausglich. Dabei hatte Moritz Wiese im Tor des TuS seinen ersten Auftritt, blieb aber genauso chancenlos wie zuvor sein Torhüter-Kollege Tim Troegel. Extrem sehenswert war die Vorarbeit zum 12:12 von Tilo Müller, der unseren Linksaußen Moritz Schulz von seiner Position auf Halbrechts so schön freispielte, dass die Sekretärin Sandy Hartmann kurzerhand unserem 17-jährigen Talent den Treffer im Spielberichtsbogen zuschrieb. Auf Seiten der Gäste nutzte man jetzt die körperliche Überlegenheit in der Offensive, indem Maxim Swiedelsky für Halbrechts die Sperre stellte, die Maurice Meurer zum 12:13 nutzte. Niclas Josten mit seinem siebten Treffer, Simon Schwarz und Jan-Philipp Winkler mit einem schönen Heber sorgten für den 15:15-Halbzeitstand. Bis zu diesem Zeitpunkt sahen die etwa 120 Zuschauer am frühen Sonntagabend ein offenes, attraktives Spiel auf Augenhöhe mit einem gerechten Zwischenstand, das in der Offensive vom Duell Josten gegen Schmidt geprägt war, die beide sieben Treffer auf dem Konto hatten. In der HLZ-Defensive überzeugten vor allem Marcel Reis und Simon Schwarz mit jeweils vier Stopp-Fouls.
Der Start in die zweite Halbzeit nährte die Hoffnung auf Punkte im Kampf um den Klassenerhalt. Zwar brachte Luis Pauli die Gäste zunächst per Siebenmeter in Führung, doch es folgten acht torlose Minuten der Opladener, die unsere Jungs zum 18:16 zu nutzen wussten. Zunächst glich Niclas Josten per Siebenmeter aus, scheiterte dann aber erstmals vom Strich an Moritz Wiese beim Versuch die Führung zu erzielen. Dies war dann Roko Peribonio vorbehalten, der nach einer Parade den Ball über 40 Meter im gegnerischen Tor unterbrachte. Linksaußen Moritz Schulz vollendete den 3:0-Lauf. Auszeit Opladen, in der Trainer Stefan Scharfenberg vor allem in der Defensive wohl die richtigen Ansätze fand. In der Folge stand der Opladener Deckungsverbund noch kompakter als zuvor und zwang das HLZ zu schlecht vorbereiteten Abschlüssen. Unsere Offensive dagegen fand kein Mittel, die Angriffe verloren zunehmend an Tempo und Kreativität. Die bis dahin sehr gute Abschlussquote ging durch Fehlwürfe von Frederik Zepp und Marcel Reis sowie einem vergebenen Siebenmeter von Moritz Schulz in den Keller, so dass Trainer Gabriel Schmiedt sein Team beim Stand von 18:20 in der 47. Minute zur Auszeit bat. Doch der Abwärtsstrudel war nicht mehr aufzuhalten, sondern gewann mit der nächsten Aktion sogar noch an Fahrt. Der bis dahin überragende Niclas Josten trat zum Siebenmeter an, traf dabei Moritz Wiese am Kopf und wurde folgerichtig von den guten Schiedsrichtern Stefan Czommer und Dennis Müller disqualifiziert. Für unsere Nummer 27 war es die erste Hinausstellung in seiner jungen Karriere, die für seine Mannschaft zur absoluten Unzeit kam. Maximilian Schmidt, Fynn Johannmeyer und Jan Jagieniak brachten die Otter aus Leverkusen auf die Siegerstraße und erhöhten auf 18:23 (52. Minute). Simon Schwarz beendete im Gegenzug 17 torlose Minuten, den kurzen Hoffnungsschimmer ließen aber Jan Jagieniak und Topscorer Maximilian Schmidt mit seinem neunten und zehnten Treffer umgehend verglimmen. Das 20:26 durch Frederik Zepp in der Schlusssekunde bei eingestellter Gegenwehr des TuS war nur noch Ergebniskosmetik. „Lediglich drei Tore aus dem Spiel heraus ergänzt durch nur einen erfolgreichen Siebenmeter bei vier Versuchen und einem Treffer ins leere Tor in der zweiten Halbzeit waren einfach zu wenig, um das Spiel zu gewinnen“, musste Gabriel Schmiedt bei der Spielanalyse nicht lange überlegen, wie es zu der Niederlage kam.
So reichte dem TuS 1882 Opladen eine durchschnittliche Leistung in einem nur in der ersten Halbzeit attraktiven Spiel, um seiner Favoritenrolle gerecht zu werden. „Wir sind natürlich in unserer Situation heilfroh, dass wir die Punkte mitnehmen konnten. Wir haben in der zweiten Halbzeit unseren Abwehr-Plan besser umgesetzt und Moritz Wiese hat dann das Spiel für uns entschieden!“, war Gäste Coach Stefan Scharfenberg erleichtert. Für das HLZ ist es eine verpasste Chance, sich vor der Mission Impossible beim Aufstiegsfavoriten HSG Krefeld Niederrhein vom Tabellenkeller abzusetzen. Beim Ligaprimus braucht es wahrscheinlich mehr als nur einen Tom Cruise, um etwas Zählbares mit nach Hause zu nehmen.
HLZ Friesenheim-Hochdorf
Moritz Wolfram (Tor), Roko Peribonio (Tor/1), Moritz Schulz (2), Roy James, Frederik Zepp (3), Tilo Müller, Jan-Philipp Winkler (2), Alexander Bender, Nick Haas, Marcel Reis (1), Gianluca Herbel, Niclas Josten (8/5), Simon Schwarz (3), Lars Thiele, Lennart de Hooge
TuS 1882 Opladen
Tim Troegel (Tor), Moritz Wiese (Tor), Lars Branding, Maurice Meurer (2), Malte Wolfram (1), Birger Dittmer (3), Jan Jagieniak (2), Erik Winchenback, Fynn Johannmeyer (1), Maximilian Schmidt (10), Luis Pauli (5/4), Lucius Hess, Maxim Swiedelsky (2)
Schiedsrichter: Stefan Czommer, Dennis Müller
Zuschauer: 120
Siebenmeter: 5/8 zu 4/5
Zeitstrafen: 3 zu 3
Rote Karten: 1 zu 0