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Über DNA, Synergien und soziale Verantwortung – Im Gespräch mit Lisa Heßler

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Lisa Heßler, Geschäftsführerin der Eulen Ludwigshafen, steht uns heute zum Gespräch zur Verfügung. Die 32-jährige ist ein echtes Friesenheimer Urgestein und war bereits Vereinsmitglied, bevor sie laufen konnte. Seit Dezember 2019 lenkt sie als Geschäftsführerin die Geschicke der Eulen Ludwigshafen und bastelt derzeit mit den weiteren Verantwortlichen am Wunder 3.0, dem Klassenverbleib in der stärksten Liga der Welt.

HLZ: Lisa, du bist seit einer gefühlten Ewigkeit Mitglied der TSG Friesenheim und zusammen mit deiner Familie dem Verein stark verbunden. Was war deine Meinung als Privatperson und Vereinsmitglied, als du erstmals von dem Zusammenschluss des TV Hochdorf und der TSG Friesenheim gehört hast? Und wie beurteilst du die Fusion aus sportlicher Sicht und als Geschäftsführerin der Eulen? Worin siehst du die größten Vorteile der neuen Konstellation für die Eulen und das HLZ?

Lisa: Ich muss zugeben, dass meine Zeit als aktive Spielerin bei der TSG Friesenheim nun doch schon ein paar Tage her ist und ich aufgrund der immensen inhaltlichen Herausforderungen in der Bundesliga-GmbH hier zeitlich stark gefordert bin. Ein bloßes Statement als Privatperson zu geben fällt mir demnach schwer, weil ich hier thematisch sicherlich befangen bin. Kompetenzen zu bündeln, Synergien zu nutzen sind wesentliche Gründe und auch Zielsetzungen bei der Bildung von Gemeinschaften und demnach auch der Gründung des HLZ. Daher bietet die Zusammenlegung der beiden Vereine auch sportlich viele Chancen für den Leistungs-, aber auch den Breitensport. Den Grad der Professionalisierung zu erhöhen sowie die Strukturen zu verbessern, auch das sind Aufgaben, welche wir uns bei Aufrechterhaltung unserer DNA und Beibehaltung unserer Nahbarkeit täglich stellen und zweifelsohne Bedarf da ist. Hier sehe ich definitiv gemeinsame Chancen. Am Ende geht es selbstredend stets darum, das theoretische Konzept mit Leben zu füllen und darauf wird es in allen Bereichen ankommen.

HLZ: Ein riesiger Vorteil des neuen Konzeptes ist die Durchlässigkeit von der Drittliga-Mannschaft zu den Eulen, wodurch auf Zweifachspielrechte verzichtet werden kann. Mit Jan Waldgenbach, Leon Hoblaj und Marc-Robin Eisel profitieren künftig drei Spieler davon und sollen regelmäßig am Trainings- und Spielbetrieb der Bundesliga-Mannschaft teilnehmen. Steht darüber hinaus noch weiteren Spielern die Tür offen?

Lisa: Auf die drei angesprochenen Spieler eingehend, wissen wir aus Erfahrung, dass Leon verstanden hat, worum es geht und für uns unumstritten war, seinen Vertrag zu verlängern. Bei Jan und Robin sind wir von dem sportlichen Potential überzeugt und sprechen das Vertrauen aus, sie bei uns einzubinden und sie zu begleiten. Dabei freuen wir uns, dass sich die beiden für den Weg in die Pfalz entschieden haben. In Absprache mit den Trainern des HLZ kann die Tür natürlich auch für weitere Spieler geöffnet werden. Es spricht für alle Beteiligten, wenn wir es gemeinsam schaffen, Talente in die Bundesliga zu führen. Bundesliga bekommt man aber nicht geschenkt, sondern ist der Lohn harter Arbeit.

HLZ: Vor kurzem gab es ein erstes Kennenlernen der HLZ-Verantwortlichen mit dem neuen Trainer Ceven Klatt. Wie stellst du dir künftig den Austausch und die Zusammenarbeit vor?

Lisa: Regionale Nachwuchs- und Talentförderung ist fester Bestandteil unserer Philosophie, weswegen wir häufig auch von dem Recht des Zweifach- bzw. Doppelspielrechts Gebrauch machen. Eine Entwicklung wie bei Max Haider oder auch Hendrik Wagner sind dabei natürlich Muster-Beispiele. Bei der Auswahl und der Entscheidung für Ceven Klatt war es uns wichtig, jenem Weg treu zu bleiben und weiterhin jungen Talenten die Chance der Weiterentwicklung zu geben. Sportliches Talent und die körperlichen Voraussetzungen müssen hier gepaart sein mit maximaler Bereitschaft und Geduld. Um dies zu erkennen, ist es selbstredend notwendig, dass die sportlich Verantwortlichen im engen Austausch stehen. Darüber hinaus sehe ich weiterhin noch Potential in der Ausschöpfung der Strahlkraft der Bundesliga-Mannschaft. Sie ist das Aushängeschild und für die Begeisterung der Kleinsten enorm wichtig.

HLZ: Ist es denkbar, dass sich Spieler der ersten Mannschaft im Trainingsbetrieb der Jugendmannschaften engagieren? Gibt es dazu schon Pläne?

Lisa: Viele unserer Spieler gehen neben ihrer im Fokus stehenden Handballkarriere auch noch einem Studium nach und setzen sich für unsere gesellschaftlichen Projekte ein. So setzen wir uns mit der ins Leben gerufenen „Eulenwoche“ für 3.-und 4. Klassen auch dafür ein, den Kids die Freude an Bewegung und dem Handball (wieder) näherzubringen. Vorbilder für den Handballnachwuchs zu sein ist eine unserer Aufgaben, weswegen wir auch jeweils einen Spieler-Paten pro Jugendmannschaft haben. Im Rahmen dessen kann natürlich auch, wenn wieder möglich, gemeinsames Training stattfinden, wie es auch in den Camps praktiziert wird.

HLZ: Wir wollen nicht nur über das HLZ und die Eulen sprechen. Du machst anerkanntermaßen einen super Job unter schweren Bedingungen. Wie kam es eigentlich dazu und war es immer dein Plan im Sport-Management Fuß zu fassen?

Lisa: Ich würde von mir selbst durchaus behaupten, dass ich plangetrieben und gleichzeitig für vieles begeisterungsfähig bin. Tatsächlich war es jedoch nicht mein Plan im Sport-Management Fuß zu fassen, sondern meine begonnene Dissertation abzuschließen. Durch mein Auslandspraktikum bei IFK Skövde, das parallel abgeschlossene Zertifikatsstudium zum European Handball Manager und meiner eigenen aktiven Zeit, ist Herzblut für unseren tollen Handballsport aber natürlich nicht von der Hand zu weisen. Die Chance, zunächst parallel zu meiner Promotion die Eulen zu unterstützen und meine Ideen einzubringen, habe ich dann gerne angenommen. Bereits zuvor und spätestens ab Einstieg in der Saison  2016/17 habe ich ein großes Vertrauensverhältnis zu Ben Matschke und uns eint der Drang, immer entwickeln und besser werden zu wollen. Ich glaube, das ist uns seither mit aller Unterstützung ganz gut gelungen und heute freue ich mich, dass ich diesen einzigartigen Club, die Eulen Ludwigshafen, repräsentieren darf.

HLZ: Und was kannst du jungen Menschen mit auf den Weg geben, die einen ähnlichen beruflichen Werdegang verfolgen möchten wie du?

Lisa: Ich glaube, dass es nicht um jenen expliziten Werdegang geht, sondern generell darum, dass wir uns für unsere Ziele und Ideen einsetzen. Diese bestimmt jeder für sich persönlich und können sich auch ändern. Ich schätze es als Privileg, mein Hobby zum Beruf machen zu dürfen, wenngleich sich der Job sicherlich davon unterscheidet, wie er in vielen (Wunsch-)Vorstellungen aussieht. Wer sich bewusst dafür entscheidet im Sportmanagement tätig sein zu wollen, kann durch Praktikumserfahrungen sicherlich nicht nur für sich selbst einen verbesserten Eindruck gewinnen, sondern auch wertvolle Kontakte knüpfen. Darüber hinaus ist in meinen Augen wirtschaftliches Fachwissen ebenso notwendig wie die Bereitschaft, die Besonderheiten des Sports anzunehmen.

HLZ: Neben allem Business, das im Profisport nicht wegzudiskutieren ist. Wie hoch ist aus deiner Sicht der gesellschaftliche Stellenwert des Sports, gerade in den aktuellen Zeiten?

Lisa: Der Sport und seine Akteure sind Vorbild in der Vermittlung gesellschaftlich relevanter Werte und Themen. Das ist auch ein definiertes Ziel unserer Nachhaltigkeitsstrategie. Dazu gehört das aktive gesundheitsfördernde Sporttreiben genauso wie die Verbindung von Kulturen und Altersstrukturen. Wir lassen teilhaben und leben Teamgeist, Disziplin und gegenseitiges Vertrauen vor. Gerade in der jetzigen Zeit der Sehnsucht nach Gemeinschaft und Perspektive ist die identitätsstiftende Wirkung des Sports elementar. Daher freuen wir uns über jeden Partner, der begreift, dass die Unterstützung des Leistungssports neben dem eigenen Netzwerkgedanken einen erheblichen sozialen Charakter aufweist.

HLZ: Corona hat für uns alle unerwartete und schwierige Lebensumstände mit sich gebracht. Der Breitensport kam komplett zum Erliegen. Gibt es aber dennoch positive Erkenntnisse, die du aus dieser Zeit mitnimmst?

Lisa: Die Corona-Krise fordert von uns allen Vieles ab und zeigt uns schonungslos, dass wir von unvorhersehbaren externen Einflüssen nicht gefeit sind. Ich muss schon zugeben, dass ich in dem letzten Jahr sehr viel gelernt habe und die Zeit immer in prägender Erinnerung behalten werde. Grundsätzlich nehme ich mit und fühle mich bestärkt darin, dass es wichtig ist, flexibel im Kopf und im Handeln zu bleiben, stets lösungsorientiert zu denken und dass gemeinsam als Team auch scheinbar unüberwindbare Herausforderungen zu meistern sind. Dabei werde ich nicht müde und möchte dies auch hier nochmals betonen, dass wir sehr dankbar für die Unterstützung unserer Partner und Fans sind, die den eingeschlagenen Weg mit uns weitergehen.

HLZ: Zum Abschluss noch ein paar Alternativfragen:

  •               Wein oder Bier?                                                                             Wein
  •               Bowling oder Kegeln?                                                                Bowling
  •               Sport außer Handball: Eishockey oder Fußball?       Fußball
  •               Disco oder Couching?                                                              beides
  •               Kreuzfahrt oder einsame Insel?                                         Kreuzfahrt

Liebe Lisa, herzlichen Dank, dass du dir für dieses Gespräch Zeit genommen hast. Wir wünschen dir persönlich und den Eulen weiterhin viel Erfolg. Wir drücken die Daumen und glauben ganz fest an den Klassenerhalt!!!

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