Trotz großer Moral, einer Halbzeitführung und einer beeindruckenden Aufholjagd mussten sich unsere Männer 3 bei der TSG Mainz-Bretzenheim mit 30:25 (13:14) geschlagen geben. Eine Rote Karte bereits in der 14. Minute, eine ohnehin dünn besetzte Ersatzbank und zu viele Fehler in der entscheidenden Schlussphase machten am Ende den Unterschied.
Die Vorzeichen für das schwere Auswärtsspiel in Mainz-Bretzenheim standen alles andere als günstig. Cheftrainer Benjamin Wingerter musste krankheitsbedingt passen (an dieser Stelle – gute Besserung Benny!), die A-Jugend war zeitgleich auswärts im Einsatz und so reisten unsere Männer 3 mit gerade einmal drei Auswechselspielern nach Mainz. Co-Trainer David Müller-Schliecker übernahm die Verantwortung an der Seitenlinie und wusste bereits vor dem Anpfiff, was auf seine Mannschaft zukommen würde.
„Wir haben heute nur einen kleinen Kader. Hier in Bretzenheim ist schon eine gewisse Anspannung zu spüren. Aber wir wissen, was wir können, und wollen das auch abrufen. Wir können heute nicht über 60 Minuten ein hohes Tempo gehen. Deshalb müssen unsere Abschlüsse sitzen und müssen von Anfang an konzentriert sein“, erklärte Müller-Schliecker vor der Partie.
Auch die Gastgeber hatten sich einiges vorgenommen. Bretzenheims Trainer Kai Leuckefeld zeigte sich zuversichtlich: „Heute haben wir endlich wieder unsere Mannschaft komplett. Wir wollen von Anfang an ein hohes Tempo gehen und die wichtigen Spieler des HLZ aus dem Spiel nehmen.“
Und tatsächlich entwickelte sich vom Anpfiff weg eine intensive, umkämpfte Begegnung. Bretzenheim erwischte den besseren Start und führte nach gut sechs Minuten mit 3:1. Doch Levin Bohn übernahm früh Verantwortung und hielt unsere Jungs mit wichtigen Rückraumtreffern im Spiel. Beim 4:4 durch Lennard Fink in der zehnten Minute war der Ausgleich geschafft.
Allerdings ließ unsere Mannschaft gerade im Angriff zunächst die nötige Konzentration vermissen. Selbst aus aussichtsreichen, teilweise völlig freien Wurfpositionen landeten zu viele Bälle neben dem Tor. Genau jene Fehler, vor denen Müller-Schliecker eindringlich gewarnt hatte.
Dann folgte in der 14. Minute die Szene, die dem Spiel eine entscheidende Wendung geben sollte: Malte Dorra ging in der Abwehr hart zur Sache, die Schiedsrichter werteten die Aktion als rotwürdiges Foul und schickten ihn vorzeitig vom Feld. Ein Schock für das HLZ! Aus drei Auswechselspielern waren plötzlich nur noch zwei geworden. Und das bei einem Gegner, der von Beginn an aufs Tempo drückte.
Doch wer jetzt glaubte, unsere Männer 3 würden frühzeitig einbrechen, sah sich gründlich getäuscht!
Die Mannschaft rückte noch enger zusammen, kämpfte um jeden Ball und hielt die Partie nicht nur offen, sondern setzte selbst immer wieder sehenswerte Akzente. Levin Bohn übernahm weiter die Verantwortung im Rückraum, traf mit spektakulären Würfen und bewies zugleich ein gutes Auge für seine Mitspieler. Immer wieder setzte er die Außen und Kreisläufer Lennard Fink gekonnt in Szene. Auch Torhüter Daniel Simon gab seiner Mannschaft mit wichtigen Paraden den nötigen Rückhalt.
Bretzenheim rannte unermüdlich an, doch das HLZ ließ sich nicht abschütteln. Ben Stolle erzielte in der 19. Minute das 9:9, Vincent Hörner glich wenig später zum 10:10 aus. In der Schlussphase des ersten Durchgangs war es dann Levin Bohn, der mit drei Treffern innerhalb von vier Minuten für eine 13:12-Führung sorgte. Zwar gelang den Gastgebern kurz vor dem Pausenpfiff noch einmal der Ausgleich, doch unsere Jungs hatten die passende Antwort parat: Nach einer Auszeit und einem wunderschönen Zuspiel von Ben Stolle auf Lennard Fink traf dieser praktisch mit der Halbzeitsirene zum umjubelten 14:13 für unsere Rot-Weiß-Grünen.
Auf der Tribüne war die Anerkennung für die kämpferische Leistung groß: „Daniel Simon gibt uns einen richtig guten Rückhalt, Levin macht spektakuläre Tore und spielt seine Mitspieler am Kreis und auf Außen hervorragend an“. Doch eine Frage stand unübersehbar im Raum: Wie lange würde unsere Mannschaft dieses kräftezehrende Spiel mit nur zwei Auswechselspielern durchhalten können?
Bretzenheim dreht auf – doch das HLZ schlägt noch einmal zurück
Nach dem Seitenwechsel kamen die Gastgeber deutlich besser aus der Kabine. Zwar brachte Jonas Hoffmann unsere Mannschaft in der 34. Minute noch einmal mit 15:14 in Führung, doch dann übernahm Bretzenheim zunehmend das Kommando. Vor allem Yannick Volk, mit insgesamt sieben Treffern erfolgreichster Werfer der Gastgeber, stellte unsere Abwehr immer wieder vor Probleme.
Aus einem 15:15 machten die Mainzer zunächst ein 19:16 und bauten ihren Vorsprung bis zur 42. Minute auf 22:18 aus. Die Halle tobte, und die Partie drohte unseren Jungs aus den Händen zu gleiten.
David Müller-Schliecker reagierte mit einer Auszeit. Er stellte seine Mannschaft neu ein und ließ nun mit einer offensiveren Abwehr agieren. Und plötzlich war das HLZ wieder da!
Die aggressivere Deckung brachte Bretzenheim zunehmend in Schwierigkeiten. Jonas Hoffmann übernahm jetzt Verantwortung und traf zweimal, Lukas Gerstner steuerte einen weiteren wichtigen Treffer bei. Innerhalb von gut drei Minuten kämpften sich unsere Jungs von 18:22 auf 21:22 heran.
In der 46. Minute war das Spiel tatsächlich wieder völlig offen! Aus einem Vier-Tore-Rückstand war ein einziger Treffer geworden. Was für eine Energieleistung dieser dezimierten Mannschaft! Trotz der frühen Roten Karte, trotz der schwindenden Kräfte und trotz des hohen Tempos der Gastgeber war plötzlich wieder alles möglich.
Doch ausgerechnet in dieser entscheidenden Phase fehlte unseren Jungs die nötige Cleverness.
Anstatt den Schwung mitzunehmen und das Spiel möglicherweise noch einmal zu drehen, schlichen sich technische Fehler und überhastete Aktionen ein. Immer wieder verfing sich der HLZ-Angriff in der nun konsequent zupackenden Bretzenheimer Abwehr. Ballverluste und vergebene Chancen ermöglichten den Gastgebern schnelle Gegenangriffe. Innerhalb von nur vier Minuten war der mühsam erkämpfte Anschluss wieder dahin. Bretzenheim zog auf 26:22 davon.
Aber auch jetzt gaben sich unsere Jungs nicht geschlagen. Levin Bohn, Jonas Hoffmann und Lennard Fink verkürzten noch einmal auf 26:24. Gut sieben Minuten vor Schluss keimte erneut Hoffnung auf. Die Gastgeber reagierten mit einer Auszeit, ordneten ihre Abwehr und konnten sich anschließend wieder etwas Luft verschaffen.
Als Lennard Fink in der 58. Minute zum 28:25 traf, war der Kampfgeist unserer Mannschaft noch immer ungebrochen. Doch die Zeit lief gegen das HLZ. Bretzenheim ließ sich den Sieg nicht mehr nehmen und setzte mit zwei Treffern in der Schlussminute den Schlusspunkt zum 30:25.
Ein Ergebnis, das den großen Kampf unserer Mannschaft über weite Strecken nur unzureichend widerspiegelt.
„Chapeau vor der Mannschaft – sie hat alles gegeben!“
Nach dem Abpfiff zeigte sich Trainer David Müller-Schliecker enttäuscht über die verpasste Chance, würdigte aber ausdrücklich die Moral seiner Spieler: „Wir sind mit einer klaren Idee in das Spiel gegangen und haben die erste Halbzeit alles in allem gut gespielt. Die Rote Karte war natürlich wie ein Genickbruch. Aber Chapeau vor der Mannschaft! Auch ohne Malte haben die Jungs gekämpft und alles gegeben.“
Besonders mit der entscheidenden Phase in der zweiten Halbzeit haderte der Trainer: „Wir haben uns noch einmal bis auf ein Tor herangekämpft. Dann haben wir aber mehr mit uns selbst und den Schiedsrichtern gehadert, anstatt zu zeigen, was wir können. Das waren zu viele alte Fehler. Dazu kam natürlich unsere dünne Bank. Uns haben im Angriff die Konsequenz und die Kaltschnäuzigkeit gefehlt, um das Ding clever zu Ende zu spielen. In der zweiten Halbzeit haben wir dann auch noch die Halle ins Spiel gebracht.“
Ähnlich sah es Jonas Hoffmann, der mit sechs Treffern neben Levin Bohn und Lennard Fink zu den erfolgreichsten HLZ-Torschützen gehörte: „Man hat von Anfang an gemerkt, dass wir personell dezimiert waren. Aber der Wille war immer da und wir haben den Kampf angenommen. Die Rote Karte war vertretbar, er hat ihn am Arm erwischt. Trotzdem haben wir einen richtig guten Kampf gezeigt und stark zusammengehalten. Am Ende hat Kraft und Konzentration gefehlt. Auch im Rückraum hat uns in dieser Besetzung etwas die Routine gefehlt. Trotzdem war heute alles drin!“
So bleibt nach diesem intensiven Handballabend in Mainz-Bretzenheim eine bittere Niederlage, aber auch die Erkenntnis, dass unsere Männer 3 selbst unter schwierigsten Bedingungen mit großem Einsatz und mannschaftlichem Zusammenhalt überzeugen können. Wer mit nur zwei Auswechselspielern nach einer frühen Roten Karte zur Halbzeit führt und sich später noch einmal auf ein Tor herankämpft, hat eindrucksvoll bewiesen, dass die Moral stimmt.
Was diesmal fehlte, waren die letzten Körner, etwas mehr Ruhe und die nötige Konsequenz in den entscheidenden Minuten. Genau daran gilt es nun zu arbeiten, damit sich unsere Jungs beim nächsten Mal für ihren großen Einsatz auch wieder mit zwei Punkten belohnen können.
Es spielten: Daniel Simon und Nicolas Geiger (Tor), Dominik Hiel, Vincent Hörner (4/1), Ben Stolle (1), Levin Bohn (7), Jonas Hoffmann (6), Lukas Gerstner (1), Leon Schwartz, Malte Dorra und Lennard Fink (6).
Trainer: David Müller-Schliecker, Trainerassistent: Lasse Felix.