Hochdorf-Assenheim. Es riecht nach frischem Salat, nach Rindwurst, nach einem Abend, der länger werden könnte als geplant. Im Foyer des TV Hochdorf wird gelacht, angestoßen, erzählt. Die eigentlichen Spiele des Hobby-Handballturniers im Handballleistungszentrum Friesenheim-Hochdorf sind da längst vorbei – doch wer glaubt, hier gehe es nur um Tore und Ergebnisse, hat das Prinzip dieser besonderen Runde nicht verstanden.
Denn das, was hier stattfindet, ist mehr als Sport. Es ist ein soziales Event, ein Versprechen: Dabeisein ohne jede Schranke.
„Das ist die dritte Halbzeit“, sagt Tobi Repp von der HLZ Männermannschaft 3, von denen einige beim Turnier zuschauten, und lacht. Gemeint ist der Teil, der in keiner Spielordnung auftaucht: das gemeinsame Essen, das Zusammensitzen, das Wiedersehen alter Weggefährten. Die Spielerfrauen der Männer 4 des HLZ haben ein internationales Salatbuffet vorbereitet, dazu gibt es deftige Rinds- und Servelatwürste – eine Mischung aus Turnier, Vereinsfest und Klassentreffen.
Auf dem Spielfeld zuvor: Improvisation statt Perfektion. Der SV Meckenheim fusioniert kurzerhand mit Spielern des rheinhessischen SV Bingen-Büdesheim, weil Personal fehlt. Zwei Spieler aus Speyer helfen ebenfalls aus. „Desperado-Handball“, nennt es einer – und meint es liebevoll. Hier wird nicht gezählt, nicht dokumentiert, nicht diskutiert. Keine Tabellen, keine Statistiken. Dafür: eine Liga mit Bewegung, Schweiß und ehrlicher Freude.
Mit dabei ist auch der TV Wörth, bekannt für seine engagierte Handballarbeit im Süden der Pfalz und ein Team, das selbst in der Hobbyrunde mit viel Einsatz und Emotion auftritt. Gastgeber ist das Handballleistungszentrum Friesenheim-Hochdorf, dessen Männer-4-Mannschaft genau für diesen Gedanken steht: Handball als offenes Angebot für alle, die spielen wollen – unabhängig von Leistungsniveau oder Vergangenheit im Sport.
Sam Warmbier, noch in der Jugend des TV Hochdorf aktiv, wirkt ein wenig erschöpft, aber zufrieden. „Wir hatten heute viele Verletzte, und trotzdem haben alle gespielt – sogar einer mit angebrochener Rippe“, sagt er und schüttelt den Kopf, als könne er es selbst kaum glauben. Für ihn ist das Montagstraining von 20 bis 21:30 Uhr ein fester Anker. „Komplett ohne Druck. Einfach Hobby. Das ist ein schöner Ausgleich zum Studium.“
Vielleicht ist es genau das, was diese Liga ausmacht: Sie ist ein Gegenentwurf. Während andernorts Leistung, Tempo und Ergebnis dominieren, geht es hier um Rückkehr. Viele haben früher aktiv gespielt, irgendwann aufgehört – und finden nun wieder zurück zum Ball. Ein Revival der eigenen Sportbiografie, aber ohne die alten Zwänge.
„Besonders entspannend ist, dass es keinerlei Leistungsdruck gibt“, sagt Matthias Zopf, völlig verschwitzt, vom SV Meckenheim. „Alle haben einfach Spaß, weil sie wieder ihren Sport, den Handball, spielen und sich bewegen können.“
Die Struktur dahinter wirkt beinahe nebensächlich, ist aber erstaunlich stabil: Rund 15 Mannschaften aus der Pfalz und Rheinhessen gehören zur Runde, vorbildlich organisiert von Staffelleitern, die monatlich Turniere mit jeweils etwa fünf Teams zusammenstellen. Das ganz große Turnier ist bereits geplant – Ende Mai in Kuhard, wo alle Mannschaften zum großen Saisonfinale zusammenkommen sollen.
Michael Fleischmann vom TSV Speyer lobt die Organisation in Hochdorf: „Tipptopp. Das haben die echt gut gemacht.“ Er grinst, als er Rindwurst und Servelat erwähnt. „Nach dem Spiel – das tut einfach gut. Und ich habe alles probiert.“ In Speyer stoßen immer wieder neue Gesichter dazu, erzählt er. Oft sind es Eltern, deren Kinder Handball spielen. Der Einstieg ist niedrigschwellig. Niemand wird geprüft, niemand bewertet. Am Ende steht wieder das, was diesen Abend trägt: Gemeinschaft.
Norman Schmalz, heute zum ersten Mal in Hochdorf dabei, wirkt angenehm überrascht. „Klar, beim ersten Mal ist man ja etwas aufgeregt – klappt das alles mit dem Turnier, mit dem Essen? Aber es war rundherum gelungen. Wir fühlen uns wohl hier.“ Neben ihm freut sich Marcel Hennigs vom HLZ Friesenheim-Hochdorf über das Lob. Er war von der Idee ‚Männer 4’ sofort begeistert und hat vor einem Jahr gleich mitgemacht. „Es sind maximal zwei aktive Spieler pro Mannschaft erlaubt“, erklärt er. „Fair Play steht an erster Stelle.“ Natürlich gehe es auch mal härter zur Sache, sagt er und lacht – besonders gegen Wörth. „Aber immer im Rahmen, schließlich spielen auch einige Frauen in den Mannschaften mit.“ Für Hennigs ist die Mannschaft ein persönlicher Neuanfang. Lange hatte er mit dem Handball pausiert, dann kam die Idee zur Gründung. „Seit einem Jahr bin ich dabei – und es macht einfach richtig Spaß, sich montags und bei den Turnieren auszupowern.“
Schmalz ergänzt: „Bei uns trainieren wir donnerstags, immer so zehn bis zwölf Leute. Es ist einfach ein lockeres Treffen von Handballern.“
Vielleicht liegt genau darin der Kern dieses Abends in Hochdorf: In einer Zeit, in der vieles auf Leistung und Optimierung ausgerichtet ist, entsteht hier ein Raum, in dem es genau darum nicht geht. Kein Druck, kein Müssen – nur das Spiel, die Bewegung und das Miteinander.
Und wenn später im Foyer wieder mit der Rieslingschorle angestoßen wird, wenn Salate geteilt und Geschichten erzählt werden, dann wird klar: Die wichtigste Halbzeit beginnt erst nach dem Abpfiff.
Gewonnen hat das Turnier? Achso, spielt keine Rolle, liebe Handballfreunde und Freundinnen!
