Was für ein Abend. Was für ein Spiel. Was für ein Finish.
750 Zuschauer verwandelten die Wonnegauhalle in Osthofen in einen Hexenkessel. Trommler, Tröten, stehende Fans sorgten für eine brodelnde Atmosphäre von der ersten Minute an. Das Duell zwischen der TG Osthofen und dem HLZ Friesenheim Hochdorf 3 hielt alles, was ein Spitzenspiel verspricht, und fand seinen Höhepunkt in einem dramatischen Herzschlagfinale.
Mit der aller letzten Aktion nahm sich Levin Bohn ein Herz, stieg unter Gegnerkontakt am 9-Meter-Kreis hoch und jagte den Ball unhaltbar unter die Latte. 30:30. Schlusspfiff. Pure Ekstase beim zahlreich mitgereisten HLZ Fanblock.
Früher Rückschlag und starker Start
Dabei begann die Partie ganz nach dem Geschmack des HLZ. Wir erwischten einen Blitzstart und führten schnell mit 5:2. Levin Bohn mit drei Treffern und Lennard Fink mit fünf Toren setzten früh Ausrufezeichen. Die Abwehr stand kompakt, Torhüter Moritz Wolfram, der im kommenden Jahr nach Osthofen wechselt, zeigte bereits in der Anfangsphase seine Klasse.
Dann jedoch der Schock in der 4. Minute. Malte Dorra verletzte sich nach einem harten Zweikampf im Angriff unglücklich und konnte nicht weiterspielen. An dieser Stelle gute Besserung.
Osthofen kämpfte sich in der Folge zurück. Vor allem über die dynamischen Halbspieler und die zweite Welle setzte die TGO immer wieder Nadelstiche. Vincent Hörner hielt das HLZ mit sieben Treffern von Linksaußen im Spiel. Die Partie wogte nun hin und her. 12:12, 15:15. Intensiv, hitzig, emotional. Mit einem 17:17 ging es in die Pause. Alles offen.
Schlagabtausch in Halbzeit zwei
Auch nach dem Seitenwechsel blieb es ein Duell auf Augenhöhe. Felix Köser übernahm mit neun Toren immer wieder Verantwortung, sicher vom Siebenmeterpunkt und konsequent im Abschluss. Nils Mader brachte Tempo ins Spiel und erzielte vier Treffer, Ben Stolle und Levin Bohn setzten wichtige Impulse im Rückraum, lenkten klug das Angriffsspiel und tankten sich durch oder setzten ihre Mitspieler am Kreis in Szene.
Doch das HLZ verpasste es mehrfach, sich entscheidend abzusetzen. Freie Würfe blieben ungenutzt, darunter auch ein Siebenmeter in der Schlussphase. Osthofen nutzte diese Phase konsequent.
In der 52. Minute folgte der scheinbare Nackenschlag. Mit einem Drei Tore Lauf zog die TGO auf 28:25 davon. Die Halle tobte. Acht Minuten waren noch zu spielen und vieles sprach nun für die Gastgeber.
Dann – Fünf Minuten purer Wille
Die Antwort des HLZ ließ jedoch nicht lange auf sich warten. Angetrieben von einer leidenschaftlichen Defensive und großem Teamgeist drehte Rot-Weiß-Grün noch einmal auf. Hörner, Mader und Fink übernahmen Verantwortung und das HLZ startete einen beeindruckenden Fünf Tore Lauf. Innerhalb weniger Minuten war die Partie gedreht. In der 57. Minute stand es plötzlich 28:29 für das HLZ. Die mitgereisten Fans schrien sich heiser.
Doch dieses Spiel hatte noch eine weitere Wendung parat. Ein technischer Fehler, ein Lattentreffer vom Punkt und Osthofen nutzte die Gelegenheit, um 60 Sekunden vor Schluss wieder mit 30:29 in Führung zu gehen.
Auszeit HLZ. Noch ein Angriff. Ein letzter Wurf.
Die Uhr tickte unerbittlich herunter. Sekunden vor dem Ende landete der Ball bei Levin Bohn auf der Mittelposition. Kein Zögern, kein Zaudern. Körpertäuschung, Absprung, Wurf und der Einschlag unter der Latte. 30:30. Schlusspfiff.
Jubel, Erleichterung, pure Emotionen. Wie schon im Hinspiel trennten sich beide Teams mit einem Unentschieden, doch dieses fühlte sich für das HLZ wie ein gewonnener Punkt an.
Stimmen zum Spiel
Trainer Benny Wingerter sagte, am Ende lagen wir zurück, deshalb sind wir mit dem Punkt absolut zufrieden. Im Direktvergleich stehen wir jetzt besser da. Ich bin wirklich sehr stolz auf die Mannschaft.
Lennard Fink erklärte, wir haben nie aufgegeben. Am Ende haben wir uns zurück ins Spiel gekämpft.
Moritz Wolfram meinte, es war ein besonderes Spiel für mich. Wichtig war, meine Leistung zu zeigen.
Felix Köser sagte, es war ein Kampf auf Augenhöhe. Beide Mannschaften haben Fehler gemacht, beide haben starken Handball gezeigt. Das war ein Top Abend und vielleicht das Beste, was die Oberliga Rheinhessen Pfalz aktuell zu bieten hat.
Fazit und Ausblick
Dieses Spiel war Werbung für den Handball in der Oberliga Rheinhessen Pfalz. Tempo, Härte, Leidenschaft und ein dramatisches Finale prägten einen Abend, der allen Beteiligten lange in Erinnerung bleiben wird.
Der Punktgewinn kann im weiteren Saisonverlauf noch enorm wichtig werden. Im direkten Vergleich hat sich das HLZ eine gute Ausgangsposition erarbeitet und zugleich ein klares Signal an die Konkurrenz gesendet. Die Mannschaft hat Moral bewiesen und gezeigt, dass sie auch in schwierigen Phasen einen kühlen Kopf bewahren kann.
Im Rennen um die beiden Plätze für die Aufstiegsspiele bleibt damit alles offen. Osthofen, Nieder- Olm und das HLZ haben sich leicht vom Rest des Feldes abgesetzt. Jeder Spieltag wird nun Endspielcharakter haben. Wer sich am Ende durchsetzt – noch offen!
Mit dieser Leidenschaft, diesem Zusammenhalt und dieser Mentalität hat das HLZ jedoch beste Voraussetzungen, um bis zum Schluss ganz vorne mitzumischen.
Für das HLZ spielten: Felix Köser 9, Vincent Hörner 7, Lennard Fink 5, Nils Mader 4, Levin Bohn 3, Ben Stolle 2, Dominik Hiel, Lasse Felix, Simon Wacker, Leon Schwartz, Malte Metz, Phil Magin Tor: Moritz Wolfram, Tobias Repp Offizielle: David Müller Schliecker, Benny Wingerter, Lars Friedmann, Jonas Hoffmann
Text/Bild: Stefan Hoffmann